Nachlass Günther Anders

Der Nachlass von Günther Anders ist seit 2004 im Besitz des Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien. Er umfasst 127 Archivboxen, geordnet in Werke, Korrespondenzen, Lebensdokumente und Sammlungen, außerdem eine ca. 60 Bände umfassende Nachlassbibliothek.

Titre d’identité et de voyage.

Wiederholt betonte Günther Anders in Selbstauskünften, dass große Teile seines Werkes unveröffentlicht geblieben seien: „Während langer Jahrzehnte, namentlich während der Exilzeit, blieb die Hoffnung, überhaupt je etwas von dem, was ich stur weiterschrieb und was ich nicht nur für nützlich, sondern […] für erforderlich hielt, zu veröffentlichen, ganz illusorisch.“ (Ketzereien, S. 321) Der Nachlass des Philosophen und Schriftstellers enthält dementsprechend viele unpublizierte Arbeiten (Manu- und Typoskripte) zur Anthropologie, Kulturphilosophie, Musikphilosophie, Ästhetik und Sprachkritik, außerdem veröffentlichte und unveröffentlichte Romane, Erzählungen, Gedichte, Entwürfe für Filmdrehbücher, aphoristische Kurzprosa, literarische Tagebücher, autobiographische Texte, Vorträge, öffentliche Stellungnahmen, Rundfunkbeiträge, Kritiken und eine Sammlung von Zeichnungen und Skizzen. Diese Nachlass-Materialien dokumentieren Andersʼ breites intellektuelles Interesse, seine Genre-, Themen- und Stilvielfalt und sind eine einzigartige Quelle für die kulturwissenschaftliche Forschung.

Besonders erwähnt seien die in den 1920er Jahren entstandenen Texte zur Philosophischen Anthropologie, die eine bemerkenswerte Affinität zur Anthropologie Max Schelers und Helmuth Plessners aufweisen, sowie die als Habilitationsschrift geplante Studie Philosophische Untersuchungen über musikalische Situationen.

Bemerkenswert ist außerdem der umfangreiche Korrespondenzbestand mit Briefen und Briefwechseln mit einer ganzen Reihe zeitgenössischer Intellektueller und KünstlerInnen, PhilosophInnen und SchriftstellerInnen, darunter Theodor W. Adorno, Jean Améry, Hannah Arendt, Ernst Bloch, Heinrich Böll, Max Born, Hermann Broch, Ernst Cassirer, Alfred Döblin, Hans Magnus Enzensberger, Oskar Maria Graf, George Grosz, Jürgen Habermas, Hans Jonas, Robert Jungk, Ernst Krenek, Georg Lukács, Thomas und Heinrich Mann, Herbert Marcuse, Helmuth Plessner, Friedrich Pollock, Bertrand Russel, Jean-Paul Sartre, Gershom Scholem, Erwin Schrödinger, Albert Schweitzer, Dolf Sternberger, Jacob Taubes, Paul Tillich, Christa Wolf uvm. – Auch Briefe Dritter an Dritte zählen zum Bestand, etwa ein Schreiben Sigmund Freuds an Andersʼ Vater William Stern.

Blick ins Foto-Album (New York).

Unter den Lebensdokumenten finden sich zahlreiche Portrait- und Familienfotos sowie Ausweise und Ausreisepapiere aus Andersʼ Emigrationszeit. Das Sammlungsmaterial wiederum dokumentiert vor allem Anders‘ politisches und gesellschaftliches Engagement in der Anti-Atom- und Friedensbewegung, seine Teilnahme am Russell-Tribunal, an internationalen Kongressen gegen Atomwaffen und für Abrüstung.

PEN-Ausweis.

Andersʼ Nachlassbibliothek enthält neben seinen eigenen Werken und deren Übersetzungen zahlreiche Bücher mit eigenhändigen Annotationen des Autors. Darunter eine Ausgabe von Kants Kritik der praktischen Vernunft mit Annotationen von Anders und Hannah Arendt; die bekannte zweibändige Ausgabe der Schriften Walter Benjamins (herausgegeben von Theodor W. und Gretel Adorno, Frankfurt/M. 1955) mit Unterstreichungen und Annotationen; Martin Heideggers Nietzsche oder Spinozas Ethik. Neben Werken Adornos mit Widmungen an Anders finden sich Widmungsexemplare von Ernst Bloch, Franz Theodor Csokor, Erich Fried und Herbert Marcuse.

Neben dem Anders-Nachlass (unter der Signatur ÖLA 237/04) befindet sich am Literaturarchiv ein weiterer Bestand mit Werken und Korrespondenzen von Günther Anders aus der Sammlung des Literaturkritikers Werner Fuld (unter der Signatur ÖLA 185/02). – Die Urheberrechte für Andersʼ Arbeiten liegen bei Gerhard Oberschlick.

Laufende Editionsprojekte

Aktuelle Editionsprojekte zu Günther Anders aus dem Nachlass.

Veröffentlichungen aus dem Nachlass

Alle Nachlasspublikationen seit 1992.

Alle Abbildungen stammen aus dem Nachlass von Günther Anders am Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien. (Fotografien der Nachlassobjekte: Georg Reiter)