Günther Anders-Preis für kritisches Denken

Der Günther Anders-Preis für kritisches Denken wird alle zwei Jahre – erstmals 2018 – für herausragende Leistungen im Bereich philosophischer, kulturwissenschaftlicher und politischer Essayistik vergeben.

In Erinnerung an den Philosophen und Zeitdiagnostiker Günther Anders werden vorrangig deutschsprachige Autorinnen und Autoren und deren Werke ausgezeichnet, welche sich – in aufklärerischer Tradition – mit den Lebensbedingungen unserer gegenwärtigen Welt befassen, insbesondere mit den kulturellen, ökonomischen und technisch-medialen Umwälzungen der Zeit.

Prämiert wird innovatives und originelles Denken, das mit besonderer ästhetischer Qualität einhergeht, insbesondere mit der Fähigkeit zur sprachlich klaren Vermittlung komplexer Gedanken. Es können das Gesamtwerk einer Autorin/eines Autors oder einzelne aktuelle Werke (deren Erscheinungsdatum nicht mehr als zwei Jahre zurückliegen soll) ausgezeichnet werden.

Der Preis wird von der Internationalen Günther Anders-Gesellschaft im zweijährigen Turnus abwechselnd in Wien, München und Berlin verliehen und ist mit 20.000 Euro dotiert. Finanzieller Träger des Preises ist die C.H.Beck Stiftung in München.

Über die Vergabe des Preises entscheidet eine dreiköpfige Jury.

Mitglieder der Jury 2018-2020:

Mathias Greffrath, Journalist, Publizist und Mitglied des PEN-Zentrums.

Thomas Macho, Professor für Kulturgeschichte, HU Berlin, und Leiter des IFK Wien.

Elisabeth von Thadden, DIE ZEIT (verantwortliche Redakteurin im Ressort Feuilleton).

Günther Anders-Preis 2020 für Corine Pelluchon

Der zum zweiten Mal vergebene Günther Anders-Preis für kritisches Denken geht 2020 an die französische Philosophin Corine Pelluchon. Die Preisverleihung findet am 17. Februar 2020 im Literaturhaus München statt. Die Laudatio hält Hilal Sezgin.

Foto: E. Caupeil

Corine Pelluchon (geb. 1967) ist Professorin für Philosophie an der Universität Paris-Est Marne-la-Vallée. Neben Leo Strauss, auf den sie in ihren Werken immer wieder Bezug nimmt, liegen ihre Schwerpunkte im Bereich der Moralphilosophie, der Politischen Philosophie und der angewandten Ethik (Bioethik, Umwelt- und Tierethik). Zu ihren bereits mehrfach ausgezeichneten Arbeiten gehören: Éléments pour une éthique de la vulnérabilité : les hommes, les animaux, la nature (2011) und Les Nourritures : philosophie du corps politique (2015). In einem so politischen wie philosophischen Manifest hat sie zuletzt ihre Kritik am gesellschaftlichen Umgang mit dem Lebendigen formuliert: Manifeste animaliste: politiser la cause animale (2017) In ihrem jüngsten Buch Éthique de la considération – auf Deutsch in diesem Jahr in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft unter dem Titel Ethik der Wertschätzung erschienen – entwirft Corine Pelluchon eine Tugendethik „für eine ungewisse Welt“.

Aus der Begründung der Jury:

„Mit Corine Pelluchon wird eine europäische Denkerin prämiert, deren philosophische Gegenwartsdiagnostik radikal modernekritische Wege in eine ökologische Zivilisation aufzeigt, ohne die Errungenschaften der Aufklärung preiszugeben. In der Absicht, neue Umgangsweisen und Politiken des gemeinsamen Lebens zu entfalten, versteht sie das vermeintlich autonome Individuum der Moderne als verletzliche Kreatur in einer ebenso verletzlichen Umwelt. Ihre bio- und umweltethischen Studien erweitert Corine Pelluchon in ihrem jüngsten Buch Ethik der Wertschätzung um eine universale Tugendethik, die deutlich angetrieben ist von der Sorge um das Lebendige im Zeitalter seiner globalen Zerstörung.“

Günther Anders-Preis 2018 für Dietmar Dath

Der Günther Anders-Preis für kritisches Denken wurde erstmals im Rahmen der Wiener Vorlesungen am 12. März 2018 um 19 Uhr im Großen Sendesaal des ORF-RadioKulturhauses in Wien verliehen – an den Schriftsteller, Journalisten, Musiker und Übersetzer Dietmar Dath.

Begrüßung: Daniel Löcker, Wiener Vorlesungen.

Einführung: Bernhard Fetz, Direktor des Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek und Vorsitzender der Preis-Jury.

Laudatio durch den Publizisten Mathias Greffrath.

Dankesrede von  Dietmar Dath.

Anschließendes Gespräch „Zur Aktualität von Günther Anders“ mit dem Philosophen Konrad Paul Liessmann, dem Preisträger Dietmar Dath und Mathias Greffrath. Moderation: Renata Schmidtkunz.

Foto: Hanke Wilsmann

Dietmar Dath, geboren 1970, war von 1998 bis 2000 Chefredakteur des Magazins für Popkultur SPEX und arbeitet seit 2001 mit kurzer Unterbrechung als Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er ist Autor mehrerer Romane, Essays, Theaterstücke, Hörspiele, Songs und Gedichte, u.a. Für immer in Honig (2005), Waffenwetter (2007), Die Abschaffung der Arten (2008) und Der Schnitt durch die Sonne (2017).